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Startseite AktuellKann der „SUN GLIDER“ die Verkehrsprobleme in Osnabrück lösen?
AktuellOsnabrück

Kann der „SUN GLIDER“ die Verkehrsprobleme in Osnabrück lösen?

von Lukas Brockfeld 16. Oktober 2019
von Lukas Brockfeld 16. Oktober 2019
So oder ähnlich könnte der Sunglider durch Osnabrück schweben.
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Eine Idee wie aus einem Science Fiction Film könnte in Osnabrück bald Realität werden – der „SUN GLIDER“ hat in den letzten Monaten viele Menschen fasziniert, der Stadtrat hat unlängst eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht. Doch worum geht es bei dem visionären Projekt?

„Der Sunglider ist ein Metrosystem, das aus schienengebundenen und nicht-schienengebundenen Fahrzeugen besteht. Kernstück des Konzeptes ist eine Hochbahn, die ähnlich wie die Wuppertaler Schwebebahn unter ihrem Schienensystem hängt, hinzu kommen miteinander vernetzte Kleinbusse, Taxen und E-Bikes. Alle Fahrzeuge fahren autonom und elektrisch, sie erfassen ihre Umgebung mittels Sensoren und benötigen keinen menschlichen Fahrer mehr. Um den Strom für die Anlage zu erzeugen, wird die Hochbahn mit Solarzellen überdacht,“ erklärt Dieter Otten, der treibende Kopf hinter dem Projekt. Der 76-Jährige war bis 2007 als Professor an der Universität Osnabrück tätig und forschte als Sozialwissenschaftler zum Zusammenspiel von Technik und Gesellschaft. In seiner Zeit als Geschäftsführer des „Wissenschaftsparks Gelsenkirchen“ hatte er bereits mit viele unkonventionellen Ideen zu tun. Otten wuchs im Ruhrgebiet auf und war schon als Kind von der Wuppertaler Schwebebahn fasziniert. Da er sich schon länger mit dem Einsatz von Solartechnik im Verkehr befasst, kam ihm schließlich die Idee zum Sunglider.

250 Kilometer Bahnstrecke in Osnabrück und Umland

Für die Stadt Osnabrück und ihr Umland plant Otten ein ca. 250 Kilometer langes, sternförmiges Schwebebahnnetz. Die Osnabrück umgebenden Städte wie Melle und Ibbenbüren sollen mittels gerader Hochbahnstrecken an die Stadt angebunden werden. Zwei Ringförmige Strecken ergänzen das Netzt, ein Ring führt durch die Vororte Osnabrücks, der andere umrundet das Stadtzentrum. Diese Streckenanordnung ermöglicht unkompliziertes Pendeln in die Stadt und aus ihr heraus, auch innerhalb Osnabrücks können viele Orte direkt mit der Schwebebahn angefahren werden. Wo dies nicht möglich ist, sollen Busse, Taxen und E-Bikes, die ihren Strom ebenfalls aus den Solarzellen der Bahnstrecke beziehen, eingesetzt werden. Die einzelnen Bahnen sollen nur etwa zehn Meter lang sein, aber in sehr kurzen Zeitabständen fahren um Wartezeiten zu minimieren. Durch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) soll der Einsatz der Züge optimiert werden, damit sowohl in der Nacht als im Berufsverkehr genügend Fahrzeuge fahren. „Die Schwebebahnkonstruktion ist einer normalen Straßenbahn vorzuziehen, da sie unabhängig vom restlichen Verkehr fährt und unsere ohnehin überfüllten Straßen entlastet. Außerdem wird es durch den Klimawandel in Zukunft häufig zu Starkregen kommen, ein Verkehrsmittel ohne Bodenkontakt ist also ratsam“ erklärt Dieter Otten.

Kann der "SUN GLIDER" die Verkehrsprobleme in Osnabrück lösen?

Das geplante Streckennetz. / Foto: Dieter Otten

Durch Solarzellen wird mehr Energie erzeugt als verbraucht

Ein weiterer großer Vorteil des Sungliders ist die Nutzung von Solarenergie. Die sechs Meter breiten und 250 Kilometer langen Dächer der Schwebebahn sollen mit Solarzellen versehen werden. Diese werden im Jahr etwa 220 Gigawattstunden Strom produzieren, hat das Team um Dieter Otten berechnet. Der Betrieb der Fahrzeuge soll aber nur ca. 180 Gigawattstunden verbrauchen. „Die übrige Energie kann in das Stromnetz abgegeben werden und stellt eine zusätzliche Einnahmequelle dar. Der Sunglider wird das erste Verkehrsmittel, das mehr Energie produziert als es verbraucht. Die Stadtwerke können durch den Betrieb des Sungliders also langfristig Gewinne machen. Die Bahn verdient Geld, ohne dass etwas getan wird und kann damit sogar kostenlos für die Bürger angeboten werden“ erklärt Otten seine Vision.

3D-Druck soll Kosten niedrig halten

Der Sunglider soll langfristig durch die Stromerzeugung Gewinne abwerfen, zunächst wären aber Investitionen von etwa eine Milliarde Euro für die Errichtung nötig. Eine hohe Summe, die sich jedoch durch die Dimensionen des Projektes relativiert. Otten plant den Einsatz großer, industrieller 3D-Drucker, um Bauteile und Züge zu Produzieren und so die Kosten stark zu senken. Dadurch sei eine dezentrale Produktion machbar, Züge könnten einfach in Osnabrück gedruckt werden. Weitere Kosteneinsparungen sind dadurch möglich, dass die Stadt Osnabrück zur Zeit ca. zehn Millionen Euro im Jahr für Busfahrer und 49 Millionen Euro für Diesel ausgibt, außerdem würden die Kosten für die Anschaffung und Wartung der Busse wegfallen. Der Sunglider würde also kurzfristig eine große Investition darstellen, langfristig aber viel Geld sparen und sogar Gewinne abwerfen. Er wäre deutlich günstiger als der bisherige ÖPNV oder eine herkömmliche Straßenbahn, ist sich der Erfinder sicher.

Kann der "SUN GLIDER" die Verkehrsprobleme in Osnabrück lösen?

Industrielle 3D-Drucker sollen eine effiziente und günstige Produktion ermöglichen. / Foto: Local Motors

In fünf Jahren soll erste Teststrecke stehen

Das Projekt Sunglider hat in den letzten Monaten viele Unterstützer gefunden, im Stadtrat ist man fraktionsübergreifend an der Idee interessiert. Bereits im Jahr August 2018 wurde mit der „Sunglider AG“ ein Unternehmen gegründet, das an der Umsetzung der Pläne arbeitet. Obwohl das Konzept bisher einmalig ist und einige Kritiker es für unrealistisch halten, ist Dieter Otten optimistisch: „Ich rechne damit, dass die erste Teststrecke schon in fünf Jahren steht, die Technologie existiert bereits und ist erprobt, nur die Bürokratie kann uns an der Umsetzung hindern. Wir sind durch den Klimawandel gezwungen zu handeln. Wenn Deutschland bis 2050 CO2 neutral sein will, muss der Verkehr die Energie die er verbraucht selbst produzieren. Wir arbeiten zur Zeit mit Experten aus ganz Europa zusammen, viele sind namenhafte Akteure in ihren Branchen. Das Internet erlaubt uns einen unkomplizierten Austausch von Ideen und wir können fähiges Personal auf der ganzen Welt rekrutieren. Auch bei den Osnabrücker Stadtwerken ist schon ein kleines Team in Planung.“

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Lukas Brockfeld

Lukas Brockfeld ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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