# Campingplatz erwerben und übernehmen: Der komplette Leitfaden für Käufer Datum: 23.02.2026 00:10 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/campingplatz-erwerben-und-uebernehmen-der-komplette-leitfaden-fuer-kaeufer-685316/ --- Der Campingmarkt in Deutschland boomt wie selten zuvor. Mehr als 36 Millionen Übernachtungen wurden zuletzt auf deutschen Campingplätzen verzeichnet, und der Trend zeigt seit Jahren nach oben. Für Investoren, Quereinsteiger und erfahrene Gastronomen gleichermaßen klingt der Gedanke verlockend: ein eigener Campingplatz, eingebettet in Natur, mit treuer Stammkundschaft und überschaubarer Konkurrenz im direkten Umfeld. Doch zwischen dem Traum und der erfolgreichen Übernahme eines Campingplatzes liegt ein langer, anspruchsvoller Weg voller rechtlicher, technischer und betriebswirtschaftlicher Fallstricke. Wer diesen Weg professionell begleitet gehen möchte, findet bei spezialisierten Beratern wie https://0121management.de/ die nötige Expertise, um Fehler zu vermeiden und den Kauf strukturiert anzugehen. Dieser Leitfaden beleuchtet alle entscheidenden Stationen dieses Prozesses und hilft Ihnen, mit offenen Augen in eines der attraktivsten Investments der Freizeitwirtschaft zu gehen. ## Der Traum vom eigenen Campingplatz: Kauf vs. Neugründung Die erste und vielleicht wichtigste strategische Entscheidung ist die Frage: Kaufen oder von Grund auf neu aufbauen? Beide Wege haben ihre Berechtigung, aber in der Praxis zeigt sich, dass die Übernahme eines bestehenden Campingplatzes in den meisten Fällen die deutlich klügere Wahl ist. Ein bestehender Betrieb bringt bereits genehmigte Strukturen, ein gewachsenes Gästenetzwerk, laufende Buchungen und – wenn man Glück hat – ein eingespieltes Team mit. All das ist bei einer Neugründung nicht vorhanden und muss mühsam und kostspielig aufgebaut werden. Die Neugründung eines Campingplatzes hingegen scheitert in Deutschland häufig bereits an der ersten Hürde: der Bauleitplanung. Da Campingplätze nach dem Baugesetzbuch als privilegierte Vorhaben im Außenbereich gelten, aber dennoch einer ausdrücklichen planungsrechtlichen Grundlage bedürfen, ist es nahezu unmöglich, in attraktiven Lagen eine neue Fläche von Grund auf zu entwickeln. Bestehende Campingplätze genießen hingegen oft Bestandsschutz, der ihnen einen enormen wirtschaftlichen Wert verleiht. Wer also einen Campingplatz erwerben möchte, der sollte in aller Regel auf einen etablierten Betrieb setzen – und diesen dann mit Mut zur Investition und einem klaren Konzept in die Zukunft führen. ### Standortanalyse und Marktbewertung: Worauf Sie bei der Suche achten müssen Der Standort eines Campingplatzes ist der wichtigste Einzelfaktor für seinen langfristigen Erfolg. Kein noch so gutes Management kann eine strukturell schlechte Lage vollständig kompensieren. Bei der Standortanalyse sollten Sie daher mehrere Dimensionen systematisch prüfen, bevor Sie auch nur über einen Kaufpreis nachdenken. Zunächst geht es um die Erreichbarkeit: Liegt der Campingplatz gut erschlossen an Bundes- oder Landesstraßen? Gibt es in der Nähe Autobahnanschlüsse, die ihn für Durchreisende und Wochenendcamper attraktiv machen? Gleichzeitig ist die Entfernung zu touristischen Attraktionen, Naturparks, Badeseen oder historischen Innenstädten ein entscheidender Treiber für die Nachfrage. Campingplätze in unmittelbarer Nähe zu Nationalparks oder Großgewässern erzielen in der Regel höhere Auslastungsquoten und können höhere Stellplatzpreise verlangen. Zur Marktbewertung gehört auch ein ehrlicher Blick auf die Wettbewerbssituation. Wie viele vergleichbare Betriebe gibt es im Umkreis von 30 Kilometern? Welche Zielgruppen sprechen diese an, und inwiefern unterscheidet sich das Angebot des zu kaufenden Platzes? Ein Campingplatz, der sich klar vom regionalen Wettbewerb abgrenzt – sei es durch Premium-Sanitäranlagen, eine Familienwasserrutsche, ein hochwertiges Gastronomiekonzept oder nachhaltiges Campingflair – hat strukturell bessere Chancen auf dauerhaften Erfolg. ### Die baurechtliche Prüfung: Flächennutzungsplan und Baugenehmigungen Wer einen Campingplatz kauft, kauft im Wesentlichen auch ein Konvolut an Genehmigungen. Und genau hier lauern für unerfahrene Käufer einige der gefährlichsten Überraschungen. Die baurechtliche Due Diligence ist deshalb kein optionaler Schritt, sondern eine absolute Pflicht, bevor Sie ein verbindliches Angebot abgeben. Ausgangspunkt ist der Flächennutzungsplan der zuständigen Gemeinde. Dort ist ersichtlich, wie die Fläche des Campingplatzes planungsrechtlich eingestuft ist. Handelt es sich um eine ausdrücklich als Campingplatz oder Sonderbaufläche ausgewiesene Zone? Oder befindet sich der Betrieb in einer planungsrechtlich ungeklärten Grauzone? Letzteres ist in Deutschland häufiger als man denken würde, insbesondere bei älteren Campingplätzen, die in den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden sind, als die Bauleitplanung noch weniger stringent war. ### Das Thema Bestandsschutz: Ein kritisches Detail bei alten Campingplätzen Kein anderes baurechtliches Konzept ist bei der Übernahme eines Campingplatzes so bedeutsam – und gleichzeitig so missverständlich – wie der Bestandsschutz. Viele Verkäufer werben damit, dass ihr Campingplatz „unter Bestandsschutz“ stehe, als sei das eine Garantie für uneingeschränkten Weiterbetrieb und freie Erweiterungsmöglichkeiten. Das ist so pauschal falsch und kann Käufer in eine gefährliche Fehlannahme führen. Der baurechtliche Bestandsschutz bedeutet vereinfacht gesagt: Was einst legal genehmigt wurde, darf in unverändertem Zustand weiter betrieben werden, auch wenn die heute geltenden Bauvorschriften so eine Genehmigung nicht mehr erlauben würden. Er schützt also den Status quo – nicht mehr und nicht weniger. Sobald bauliche Veränderungen, Erweiterungen oder Nutzungsänderungen vorgenommen werden, erlischt der Bestandsschutz für die betreffenden Teile des Betriebs. Wer also kauft und anschließend modernisieren oder ausbauen möchte, bewegt sich rechtlich auf dünnem Eis, wenn keine aktuellen Genehmigungen vorliegen. Folgende Punkte sollten bei der Prüfung des Bestandsschutzes zwingend geklärt werden: - Wann wurden die einzelnen baulichen Anlagen errichtet, und existieren noch alle ursprünglichen Baugenehmigungen in der Akte? - Wurde der Campingplatz in den letzten Jahrzehnten verändert oder erweitert, und wenn ja, auf welcher rechtlichen Grundlage? - Gibt es Hinweise auf baurechtliche Verfahren, Auflagen oder laufende Korrespondenz mit der zuständigen Baubehörde? - Welche Einschränkungen gelten für zukünftige Investitionen, und wo beginnt die Pflicht zur erneuten Baugenehmigung? Ein auf Bau- und Planungsrecht spezialisierter Rechtsanwalt sowie ein erfahrener Sachverständiger sind hier keine Luxus, sondern eine zwingende Notwendigkeit. ### Technische Due Diligence: Zustand von Wasser, Abwasser und Elektrik prüfen Ein Campingplatz ist eine technisch hochkomplexe Anlage. Hunderte oder gar Tausende von Stellplätzen müssen täglich mit Strom, Frischwasser und Abwasserentsorgung versorgt werden. Die Zustandsanalyse der technischen Infrastruktur ist deshalb ein zentraler Bestandteil jeder seriösen Kaufprüfung und wird von unerfahrenen Käufern häufig unterschätzt oder zu oberflächlich behandelt. Das Leitungsnetz für Wasser und Abwasser ist bei älteren Campingplätzen oft über Jahrzehnte gewachsen und in manchen Fällen kaum noch vollständig dokumentiert. Veraltete Kunststoff- oder sogar Eisenleitungen, undichte Anschlüsse, mangelhafte Druckverhältnisse und überlastete Kläreinrichtungen können enorme Investitionen nach sich ziehen. Hinzu kommen wasserrechtliche Auflagen: Hat der Campingplatz eine eigene Wasserversorgung aus einem Brunnen, ist dieser ordnungsgemäß zugelassen? Sind die Auflagen der zuständigen Wasserbehörden dauerhaft erfüllbar? Noch sensibler ist die Situation bei der Abwasserentsorgung. Viele ältere Campingplätze betreiben eigene Kleinkläranlagen, die nicht immer den aktuellen gesetzlichen Standards entsprechen. Eine Nachrüstung kann je nach Größe des Platzes schnell sechsstellige Beträge kosten. Gleiches gilt für die Elektroinfrastruktur: Veraltete Zuleitungen, nicht normgerechte Verteiler und zu geringe Leitungskapazitäten für den modernen Strombedarf von E-Bikes, Campingkühlschränken und Elektrofahrzeugen können einen umfassenden Investitionsstau bedeuten. Ein technisch versierter Gutachter sollte vor dem Kauf folgende Punkte systematisch dokumentieren und bewerten: - Alter, Material und Zustand aller Wasserleitungen (Frisch- und Abwasser) - Kapazität und Zustand der Kläranlage bzw. des Anschlusses an die öffentliche Kanalisation - Zustand und Normkonformität der gesamten Elektroverteilung, inklusive Stellplatzanschlüsse - Zustand der Sanitäranlagen und Sanitärgebäude, inklusive Warmwasserversorgung - Zustand von Zufahrtswegen, Stellplatzflächen und Entwässerungssystemen auf dem Gelände - Heizungsanlagen, falls vorhanden, sowie Energieversorgungsverträge und mögliche Einsparpotenziale ### Betriebswirtschaftliche Prüfung: Umsatzzahlen, Pachtverträge und Dauercamper Am Ende des Tages muss ein Campingplatz wirtschaftlich funktionieren. Die betriebswirtschaftliche Prüfung ist der dritte große Pfeiler der Due Diligence und sollte idealerweise von einem auf Gastronomie oder Freizeitwirtschaft spezialisierten Steuerberater oder Unternehmensberater begleitet werden. Ausgangspunkt sind die Jahresabschlüsse der letzten drei bis fünf Jahre. Umsatzentwicklung, Gewinnmarge, saisonale Schwankungen und außerordentliche Einmaleffekte müssen sorgfältig analysiert werden. Wichtig ist dabei, zwischen nachhaltigen Ertragsquellen und solchen zu unterscheiden, die vom bisherigen Inhaber persönlich abhängen – etwa ein sehr gutes Netzwerk zu Reisebloggern oder eine jahrelange persönliche Beziehung zu Großkunden und Stammgästen. Ein besonderes Augenmerk gilt den Dauercampern. Auf vielen deutschen Campingplätzen stellen sie den wirtschaftlichen Grundpfeiler dar: Familien oder Rentner, die einen Stellplatz für die gesamte Saison oder sogar ganzjährig gemietet haben und teils seit Jahrzehnten treu sind. Diese Dauercamper sorgen für stabile, planbare Einnahmen – können aber auch eine Last sein, wenn ihre Verträge zu günstigen Konditionen aus vergangenen Jahrzehnten bestehen und kaum noch an das Marktniveau angepasst werden können. Pachtverträge sind ein weiteres heikles Thema. Betreibt der Campingplatz die Fläche nicht auf eigenem Grund, sondern gepachtet – von Gemeinden, Kirchen, privaten Grundeigentümern oder Wasser- und Forstbehörden – sind die Konditionen und Laufzeiten dieser Pachtverträge von entscheidender Bedeutung. Ein Campingplatz ohne langfristig gesicherten Pachtvertrag ist als Investition nur eingeschränkt bankfähig und birgt erhebliche Unsicherheiten. ### FAQ: Campingplatz erwerben und übernehmen – Ihre wichtigsten Fragen beantwortet Was kostet es, einen Campingplatz in Deutschland zu kaufen? Die Kaufpreise für Campingplätze in Deutschland variieren erheblich und hängen von Größe, Lage, Zustand der Infrastruktur und dem bestehenden Bestandsschutz ab. Kleine Campingplätze in weniger gefragten Lagen sind mitunter ab 300.000 bis 500.000 Euro erhältlich, während gut etablierte Betriebe an touristisch attraktiven Standorten schnell mehrere Millionen Euro kosten können. Als grobe Faustregel gilt ein Kaufpreismultiplikator von vier bis achtmal dem EBITDA des laufenden Betriebs. Brauche ich eine besondere Genehmigung, um einen Campingplatz zu betreiben? Ja. Neben den baurechtlichen Genehmigungen für die Anlage selbst benötigt der Betreiber in der Regel eine gewerberechtliche Erlaubnis sowie ggf. gaststättenrechtliche Genehmigungen, wenn auf dem Gelände Speisen und Getränke ausgeschenkt werden. Zudem sind wasserrechtliche, abfallrechtliche und je nach Bundesland naturschutzrechtliche Auflagen zu erfüllen. Ein umfassendes Genehmigungsportfolio des Vorbesitzers zu übernehmen, ist einer der wichtigsten Vorteile beim Kauf gegenüber einer Neugründung. Was bedeutet Bestandsschutz bei einem Campingplatz konkret für mich als Käufer? Bestandsschutz bedeutet, dass bestehende bauliche Anlagen und die bisherige Nutzung trotz möglicherweise veränderter Bauvorschriften weiter erlaubt bleiben – aber ausschließlich im unverändertem Zustand. Sobald Sie als neuer Eigentümer bauliche Veränderungen oder Erweiterungen vornehmen, müssen Sie aktuelle Baugenehmigungen einholen, und es gelten die heutigen Vorschriften. Das kann bei Modernisierungsvorhaben erhebliche zusätzliche Auflagen und Kosten bedeuten. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück