Bundesbankvorständin Fritzi Köhler-Geib warnt vor wachsenden Risiken für die globale Finanzstabilität durch den Einsatz von KI-Modellen im Finanzsektor. Besonders neue, zunehmend eigenständig agierende Systeme könnten die Einflussmöglichkeiten von Menschen auf Handelsentscheidungen einschränken und bestehende Marktverzerrungen verstärken. Zugleich kritisiert sie Europas Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern großer KI-Modelle und mahnt mehr digitale Souveränität an.
Warnung vor Risiken für die Finanzstabilität
Bundesbankvorständin Fritzi Köhler-Geib sieht im Einsatz von KI-Modellen im Finanzsystem potenzielle Gefahren für die globale Stabilität der Märkte. „Das algorithmische Trading ohne künstliche Intelligenz ist seit Langem etabliert“, sagte Köhler-Geib der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwochausgabe). „Neu ist jedoch, dass die KI die Grenze verschiebt, bis zu der wir Menschen direkten Einfluss auf die Handelsentscheidungen nehmen.“ Mit sogenannter „agentischer“ KI, die auch immer leistungsfähiger werde, träfen Systeme immer häufiger eigenständig Entscheidungen – ohne dass ein Mensch im Einzelfall eingreife, so die Ökonomin weiter.
„Biases“ in KI-Modellen und Umfrage der Aufsicht
„Interessanterweise können sich bei KI-Modellen ähnliche Voreingenommenheiten wie bei menschlichen Investoren einschleichen. Sie handeln zum Beispiel überoptimistisch oder blenden Risiken aus“, sagte die Bundesbankvorständin der „Süddeutschen Zeitung“. Das Spannende daran sei, dass diese Modelle solche sogenannten „Biases“ oft hervorragend benennen könnten. Allerdings könnten sie diese Biases bislang nicht zuverlässig abstellen. Derzeit führe die Europäische Bankenaufsichtsbehörde eine Umfrage unter den beaufsichtigten Banken durch, um ein besseres Bild zu erhalten, wo KI genutzt wird und welche Modelle zum Einsatz kommen.
Europa im Rückstand bei großen KI-Modellen
Köhler-Geib kritisierte zudem die aus ihrer Sicht problematische KI-Abhängigkeit Europas. „Europa ist bei den großen KI-Modellen aktuell klar im Hintertreffen – insbesondere gegenüber den USA und China. Das ist eine strukturelle Herausforderung, die wir lösen müssen“, sagte die Ökonomin der „Süddeutschen Zeitung“. Die USA hielten einen starken Tiger im Käfig, Europa dürfe ihn anschauen, wenn es dafür zahle. Eigentlich müsste Europa in der Lage sein zu sagen, man habe selbst einen mindestens ebenso starken Tiger. Momentan fehle uns diese Option, so Köhler-Geib. „Ganz klar: Wir müssen unsere digitale Souveränität vorantreiben.“
