# Bremer Brücke in der Krise – Wer zahlt, wenn Stadt und VfL sich nicht einig werden? Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-10-10T05:00:26+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-10-10T05:01:07+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/bremer-bruecke-in-der-krise-wer-zahlt-wenn-stadt-und-vfl-sich-nicht-einig-werden-765004/ Kategorie: Aktuell --- Warum auch immer: Bei den bisherigen Planungen für die Zukunft des VfL Osnabrück und den millionenschweren Umbau der Bremer Brücke scheinen bislang vor allem Optimisten am Tisch gesessen zu haben. Fast wie in der Wettstube, wo die Zuversicht auf den eigenen Verein zumindest so lange ungebrochen ist, bis die gegnerische Mannschaft das erste Tor schießt. Doch jetzt ist einer aufgestanden und hat die Zockerrunde verlassen: Jan Jansen, bislang Geschäftsführer der Stadiongesellschaft, hat [seinen Rückzug angekündigt](https://hasepost.de/stadiongesellschaft-der-bremer-bruecke-jan-jansen-gibt-taetigkeit-als-geschaeftsfuehrer-auf-764835/). Und angesichts der finanziellen Risiken, die sich rund um das 67-Millionen-Euro-Projekt auftürmen, kann man dafür durchaus Verständnis haben. Leitartikel von Heiko Pohlmann Wobei: Alles, was Sie in den vorherigen Zeilen gelesen haben und was folgt, ist eine höchstpersönliche Einschätzung der Situation. Das gilt auch für scharfe Formulierungen wie „Zockerrunde“. Aber manchmal hält die deutsche Sprache einfach keinen treffenderen Begriff bereit. Wir, liebe Leserin und lieber Leser, wissen nicht, was hinter den Kulissen von Politik, Fußballverein und Stadiongesellschaft in den vergangenen Monaten wirklich vorgefallen ist und nun dazu geführt hat, dass der Chef der Stadiongesellschaft den Hut genommen hat. Was wir wissen, ist, dass der VfL ein „Fahrstuhlverein“ ist und Kontinuität beim VfL weder bei den sportlichen Leistungen noch bei der Finanzplanung zu seinen Stärken gehört. Wir wissen, dass die Stadt Osnabrück vor allem leere Kassen verwaltet und dass mit Volkswagen Osnabrück einer der größten Gewerbesteuerzahler vor dem Ende seiner bisherigen Fahrzeugproduktion steht. Und spätestens, seitdem die [Kosten für die Neumarkt-Umgestaltung innerhalb von nur zehn Monaten um sagenhafte 62 Prozent geradezu explodiert sind](https://hasepost.de/neumarkt-62-prozent-teurer-stadt-weicht-der-entscheidenden-kostenfrage-vor-der-ratssitzung-aus-761313/), wissen wir auch, dass Kostenplanungen für Bauprojekte inzwischen ebenfalls besser in einer Wettstube verhandelt werden könnten als mit Bauunternehmen. Und damit zurück zu Jan Jansen, der mit seinem Rückzug aus der Stadiongesellschaft die Zukunft der Bremer Brücke wieder zum Thema gemacht hat. Jansen hatte die Aufgabe vor knapp zwei Jahren unter der Voraussetzung übernommen, dass Stadt und VfL gemeinsam an einem Strang ziehen. Inzwischen gehört die Stadiongesellschaft vollständig der Stadt, und aus dem einstigen Gemeinschaftsprojekt ist offenbar eine ziemlich schwierige Angelegenheit geworden. Gegenüber der NOZ erklärte Jansen, dass unterwegs einiges an Kooperationswillen verloren gegangen sei, auch im persönlichen Umgang. Nach Informationen der Zeitung gibt es insbesondere bei den Verhandlungen über den künftigen Pachtvertrag Differenzen. Der VfL soll seit dem Sommer nicht mehr in der Planungsgruppe vertreten sein. Was Jansen der Oberbürgermeisterin, der Politik und dem Beirat hinter verschlossenen Türen über die Gründe seines Rückzugs mitgeteilt hat, wissen wir nicht. Es liegt allerdings nahe, dass seine interne Begründung ausführlicher ausgefallen ist als die öffentliche Erklärung. Vielleicht hat Jansen erkannt, dass die Risiken dieses Projekts weit über das hinausgehen, was ein Geschäftsführer verantworten möchte und kann. Belegt ist das nicht. Doch wer die folgenden Szenarien betrachtet, wird zumindest verstehen können, warum ein Geschäftsführer angesichts solcher Risiken möglicherweise lieber die Verantwortung abgibt. Denn oft ist es klüger, rechtzeitig von Bord zu gehen, als später als Kapitän für eine finanzielle Havarie verantwortlich gemacht zu werden. Eine Havarie, die womöglich schon in der Konstruktion des Schiffes angelegt ist – und nicht etwa auf mangelnde nautische Fähigkeiten des Mannes auf der Brücke zurückzuführen wäre. ## Wenn aus 67 Millionen plötzlich 100 Millionen werden Stellen wir doch mal die Frage: Was passiert, wenn beim Stadionumbau eine ähnliche Kostenentwicklung eintritt, wie sie Osnabrück gerade erst beim Neumarkt erleben musste? Dort stieg die öffentlich kommunizierte Kostenprognose innerhalb von wenigen Monaten von 21,9 auf 35,5 Millionen Euro – um rund 62 Prozent. Übertragen auf die Bremer Brücke würde eine solche Steigerung aus den bislang veranschlagten 67,3 Millionen Euro ein Projekt für rund 109 Millionen Euro machen. Das ist selbstverständlich keine Prognose, sondern ein Rechenbeispiel am Schreibtisch des HASEPOST-Redakteurs. Aber eines, das angesichts der jüngsten Erfahrungen mit kommunalen Großprojekten nicht einfach beiseitegeschoben werden sollte. Bereits im November 2025 hatte FDP-Fraktionschef Dr. Thomas Thiele [vor genau diesem Risiko gewarnt](https://hasepost.de/trotz-leerer-kassen-osnabruecker-rat-gibt-gruenes-licht-fuer-stadion-sanierung-an-der-bremer-bruecke-654069/). Noch kein einziges Bauunternehmen habe zugesagt, die Bremer Brücke für den vorgesehenen Betrag zu sanieren. Thiele sprach damals auch die Möglichkeit an, dass Angebote oberhalb von 80 Millionen Euro eingehen könnten. Die bislang genannten 67,3 Millionen Euro beruhen tatsächlich lediglich auf planerischen Kostenberechnungen. Ob dabei bereits jede einzelne Leistung bis hin zur letzten Kunststoffsitzschale, dem aktuellen Preis für Beton und die Steigerung bei den Lohn- und Energiekosten belastbar erfasst wurde, ist öffentlich nicht nachvollziehbar, darf aber bezweifelt werden. Ein verbindliches Angebot eines Generalunternehmers liegt jedenfalls noch nicht vor. ### Ausschreibung noch nicht gestartet: Aus Angst vor den Realitäten? Vielleicht hat man auch noch keine Ausschreibung gestartet, aus Angst vor der Antwort? Eine Antwort, die – siehe Neumarkt – auch weit mehr als eine Kostensteigerung von 67 auf 80 Millionen bedeuten könnte, wie es der FDP-Politiker Thiele bereits befürchtete. Was also geschieht, wenn sich von Bramsche bis Barcelona in einer europaweiten Ausschreibung kein Bauunternehmen finden lässt, das bereit ist, die Bremer Brücke für 67 Millionen, für 80 Millionen und vielleicht sogar für 100 Millionen Euro umzubauen? Dann könnte die Stadt vor einer Entscheidung stehen, deren Tragweite bislang kaum öffentlich diskutiert wurde: zusätzliche Millionen aufbringen, den Umbau reduzieren oder das gesamte Projekt grundsätzlich überdenken. Die entscheidende Generalunternehmer-Ausschreibung hat noch nicht einmal begonnen. Das bestätigte die Stadiongesellschaft auf Anfrage der HASEPOST. Der ursprünglich vorgesehene Zeitplan wird nicht eingehalten. Auch der zuletzt für Mai 2027 in Aussicht gestellte Baubeginn ist nach Angaben von Jansen nicht mehr zu halten. Zur Erinnerung: Als im vergangenen Jahr [die Umbaupläne öffentlich vorgestellt wurden](https://hasepost.de/ziemlich-ziemlich-geil-vfl-osnabrueck-stellt-plaene-fuer-neue-bremer-bruecke-vor-641448/), sollte bereits im Sommer 2026 mit den Bauarbeiten begonnen werden. ## Was passiert eigentlich, wenn der VfL wieder in die 3. Liga absteigt? Die bisherige Finanzierung sieht vor, dass die Stadt Osnabrück 33 Millionen Euro bereitstellt. Weitere rund 34,3 Millionen Euro sollen über Kredite der inzwischen vollständig städtischen Stadiongesellschaft finanziert werden. Diese Kredite sollen wiederum durch langfristige Pachtzahlungen des VfL refinanziert werden. Das klingt zunächst nach einer klaren Aufteilung. Doch wie belastbar ist dieses Modell tatsächlich? Vor allem, wenn die benötigte Kreditsumme auf 50 oder gar 70 Millionen Euro steigen sollte – siehe oben –, weil sich kein Generalunternehmer findet, der 2028 zu Kosten bauen will, die 2025 einmal angenommen wurden. Und damit kommen wir zur finanziellen Leistungsfähigkeit des VfL. Der VfL Osnabrück hat in seiner Vereinsgeschichte mehrfach zwischen der 2. und 3. Liga gewechselt – die „[Achterbahn](https://hasepost.de/vfl-achterbahn-choreo-sorgt-bis-nach-indonesien-fuer-begeisterung-750905/)“ oder der „Fahrstuhl“ sollte vielleicht ins Vereinswappen aufgenommen werden? Ein erneuter Abstieg wäre also keineswegs ein außergewöhnliches Szenario, sondern eines, mit dem bei einer langfristigen Finanzierung ernsthaft gerechnet werden muss. Ein Abstieg bedeutet in der Regel deutlich weniger Einnahmen aus Medienrechten. Auch Sponsoring und Zuschauererlöse könnten unter Druck geraten. Und dann kommen auch noch die Folgen des Stadionumbaus selbst hinzu, die sich ebenfalls in der Vereinskasse niederschlagen werden. ### Jahrelang weniger Zuschauer, aber womöglich höhere Pacht? Während der Bauarbeiten werden voraussichtlich zeitweise Teile der Bremer Brücke nicht nutzbar sein. Was wird es für den VfL bedeuten, wenn über drei oder vier Spielzeiten jeweils ein Viertel der Stadionkapazität wegfällt? Das muss nicht automatisch einen Verlust von 25 Prozent der Ticketeinnahmen bedeuten. Aber bei sonst gut besuchten Heimspielen könnten erhebliche Einnahmen verloren gehen. Hinzu kommen möglicherweise Einschränkungen bei Gastronomie und Hospitality. Und einfach die Ticketpreise erhöhen? Geht auch nicht so einfach. Die Fanszene reagiert bereits bei Eintrittspreisen, die denen einer einfachen Kinokarte entsprechen, [ausgesprochen empfindlich](https://hasepost.de/nach-vandalismus-in-havelse-vfl-osnabrueck-stellt-zusammenarbeit-mit-fanszene-infrage-629718/). Und das ist nun die zentrale Frage, die im Raum steht: Hat eigentlich schon jemand durchgerechnet, was geschieht, wenn der VfL gleichzeitig in die 3. Liga absteigt, über Jahre weniger Tickets verkaufen kann und wegen gestiegener Baukosten womöglich auch noch eine höhere Pacht zahlen soll? Womöglich könnte bereits eines dieser Ereignisse die Finanzierung erheblich unter Druck setzen. Dass zwei oder sogar drei gleichzeitig eintreten, lässt sich jedenfalls nicht ausschließen. ### Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen, einem blanken Verein auch nicht Selbst wenn der VfL vertraglich zu langfristigen Pachtzahlungen verpflichtet wird, ist damit noch lange nicht sichergestellt, dass er diese unter allen Umständen leisten kann. Sinkende Einnahmen durch einen jederzeit möglichen Rücksturz in die 3. Liga und der Ausfall von Einnahmen während des Umbaus – das sind realistische Risiken, auch wenn es hoffentlich nicht so kommen sollte. Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen. Und ein Verein, dessen Einnahmen durch sportlichen Misserfolg und jahrelange Einschränkungen im eigenen Stadion gleichzeitig einbrechen, könnte wirtschaftlich schnell an seine Grenzen geraten. Die Kredite der städtischen Stadiongesellschaft müssten trotzdem bedient werden. Ein Zahlungsausfall des VfL würde die finanziellen Verpflichtungen nicht verschwinden lassen. Damit stellt sich die Frage, ob die Stadt bei ihren Planungen auch den Fall berücksichtigt hat, dass der VfL die vereinbarte Pacht zeitweise oder dauerhaft nicht mehr bezahlen kann? ## Kann sich die Stadt Osnabrück das Engagement für den VfL überhaupt noch leisten? Denn nicht nur der VfL hat wirtschaftliche Risiken. Auch die Stadt Osnabrück steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Ihre Verschuldung bewegt sich nach den bisherigen Haushaltsplanungen auf eine Größenordnung von einer Milliarde Euro zu. Gleichzeitig verschlingen andere kommunale Großprojekte immer größere Summen. Der Neumarkt ist dafür nur das jüngste Beispiel. Und dann wäre da noch Volkswagen. Im kommenden Jahr soll im Osnabrücker VW-Werk das letzte T-Roc Cabriolet vom Band laufen. Die Zukunft des Standorts hängt anschließend von einer geplanten industriellen [Nachnutzung als Rüstungsstandor](https://hasepost.de/vw-verkauft-werk-osnabrueck-an-aurelius-und-land-752704/)t ab, die zunächst erhebliche Investitionen und Umbauarbeiten erfordern dürfte. Ob und wann ein möglicher Nachnutzer wieder nennenswerte Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt erwirtschaftet, ist offen. Denn selbst wenn ein Unternehmen nach einer längeren Anlaufphase Gewinne erzielt, können steuerliche Verlustvorträge dafür sorgen, dass zunächst keine oder nur geringe Gewerbesteuerzahlungen anfallen. Die Ironie dabei: Volkswagen ist zugleich einer der bedeutenden Sponsoren des VfL Osnabrück. Ob und in welchem Umfang dieses Engagement nach dem Ende der bisherigen Fahrzeugproduktion fortgesetzt wird, ist ebenfalls offen. Damit könnten im ungünstigsten Fall gleich mehrere finanzielle Grundlagen unter Druck geraten: die Einnahmen des Vereins, die Refinanzierung des Stadions und die Möglichkeiten der Stadt, zusätzliche Millionen bereitzustellen. ## Wer trägt das Risiko – und wer entscheidet? Dass die wirtschaftliche Zukunft des VfL erheblichen Schwankungen unterliegt, dürfte auch bei den offenbar schwierigen Verhandlungen über den künftigen Pachtvertrag eine Rolle spielen. Offensichtlich gibt es zwischen Stadt und Verein erhebliche Differenzen. Wer dabei welche Forderungen stellt, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Bemerkenswert ist allerdings, dass über diesen für die Finanzierung so wichtigen Vertrag überhaupt noch verhandelt werden muss. Wieso hat die Stadt das nicht erst wasserdicht gemacht, bevor sie mit der Stadiongesellschaft ins Risiko gegangen ist? ## Eine (Sport-)Wette mit dem Geld der Steuerzahler Es spricht vieles dafür, dass die Bremer Brücke modernisiert werden muss. Und selbstverständlich hat auch die Stadt ein Interesse daran, dass der VfL Osnabrück seine Heimspiele weiterhin in einem attraktiven Stadion austragen kann. Aber daraus folgt noch lange nicht, dass die öffentliche Hand jedes wirtschaftliche Risiko übernehmen muss. Ein Stadionumbau für 67 Millionen Euro ist bereits eine erhebliche Investition. Ein Stadionumbau für 100 Millionen Euro wäre eine ganz andere Entscheidung. Erst recht, wenn gleichzeitig die finanzielle Leistungsfähigkeit des künftigen Pächters und die Einnahmen der Stadt unter Druck geraten könnten. Wer eine solche Investition verantwortet, muss auch die unangenehmen Szenarien durchgerechnet haben. Nicht nur den Aufstieg, die ausverkaufte Bremer Brücke und einen reibungslosen Bauverlauf. Sondern auch den Abstieg, jahrelange Einschränkungen und Bauunternehmen, die deutlich mehr Geld verlangen als ursprünglich kalkuliert. Bereits die jetzt eingetretene Verzögerung des Baubeginns von 2026 auf irgendwann in 2028, stellt das gesamte hochgradig fragile Konzept in ein neues Licht. In der Wettstube kann man auf den Sieg des eigenen Vereins setzen und hoffen, dass alles gut geht. Wer allerdings mit dem Geld der Steuerzahler spielt, sollte vorher wissen, wie hoch der mögliche Verlust ausfallen kann – und er sollte jederzeit die Tür im Auge behalten, damit er gehen kann, bevor der letzte Euro verzockt ist. Warum Jan Jansen als Geschäftsführer der Stadiongesellschaft von Bord gegangen ist, wird in vollem Umfang wohl nur einem kleinen Kreis bekannt sein – zumindest so lange, bis einer aus diesem Kreis plaudert. Doch mit seinem Rückzug hat Jansen einen Stein ins Wasser geworfen, dessen Wellen womöglich weit größere Kreise ziehen werden, als es auf den ersten Blick erscheint. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück