Das Bundeskriminalamt (BKA) registriert seit Mitte des vergangenen Jahres verstärkt eine neue Form der Organisierten Kriminalität mit Bezügen zu türkeistämmigen Gruppierungen in Deutschland. Nach Angaben eines BKA-Sprechers nehmen insbesondere Gewaltdelikte unter Einsatz von Schusswaffen sowie Erpressungen und Bedrohungen türkischer mittelständischer Unternehmen zu.
BKA sieht „Mafia der neuen Generation“ im Aufschwung
Die Funke-Mediengruppe berichtet unter Berufung auf einen Sprecher des Bundeskriminalamts, das BKA beobachte eine Zunahme von Straftaten und Gewaltdelikten junger türkeistämmiger Banden in Deutschland. Seit Mitte des vergangenen Jahres sei verstärkt eine neue Form der Organisierten Kriminalität mit Bezügen zu türkeistämmigen Gruppierungen zu beobachten, teilte der Sprecher demnach mit. Die Kriminalermittler stellten eine bundesweite Zunahme von Gewaltdelikten mittels Verwendung von Schusswaffen fest.
Oftmals gehe es nach diesen Angaben um Erpressungen oder Bedrohungen von türkischen mittelständischen Unternehmen, insbesondere in Städten mit einem hohen türkischen Bevölkerungsanteil. Mitglieder dieser neuen kriminellen Gruppierungen stammten laut BKA ursprünglich aus der Türkei und würden aufgrund ihrer Altersstruktur durch türkische Medien auch als die „Mafia der neuen Generation“ und sogenannte „GenZ-Mafia“ bezeichnet.
Der Sprecher des Bundeskriminalamts sagte laut Funke-Mediengruppe: „Im Vergleich zu klassischen Mafia-Gruppierungen, die oftmals hierarchisch strukturiert sind, vorrangig im Verborgenen agieren und öffentlichkeitswirksame Auftritte eher vermeiden, handelt es sich bei der sogenannten GenZ-Mafia oftmals um eher lose Netzwerke, die unter Nutzung von Social Media in Verbindung bleiben.“
Illegale Schusswaffen aus der Türkei im Fokus
Dabei griffen die organisierten Kriminellen laut BKA auch auf Schusswaffen aus der Türkei zurück. Der Sprecher erklärte der Funke-Mediengruppe zufolge, der illegale Handel, die Verbreitung und letztlich die Verfügbarkeit illegaler Schusswaffen erhöhten in diesem Kontext zusätzlich die Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Unter anderem würden in der Türkei produzierte Schreckschusswaffen wiederholt als voll-funktionsfähige, letale, illegal umbaute Schusswaffen in Deutschland sichergestellt.
Der BKA-Sprecher hob gegenüber der Funke-Mediengruppe hervor: „Daneben gewinnt aktuell das Phänomen illegal gefertigter Fälschungen von Schusswaffen an Bedeutung.“ Derartige Fälschungen von Schusswaffen seien bekannten Originalmodellen täuschend echt nachgebaut, jedoch außerhalb legaler Produktions- und Vertriebsstrukturen hergestellt.
Sondereinheiten gegen organisierte Kriminalität
Nach einer deutlichen Zunahme von Schusswaffenkriminalität waren Polizei und Justiz vor allem in Berlin zuletzt verstärkt gegen organisierte Kriminalität vorgegangen. Bei Polizei wurde die Sondereinheit „Ferrum“ gegründet, Staatsanwaltschaft zog mit der Ermittlungsgruppe „Telum“ nach.
Im Fokus von Razzien und Durchsuchungen standen nach Angaben der Ermittler Banden, deren Anführer von der Türkei aus agieren und die in Berlin und anderen Städten türkisch- und kurdischstämmige Ladeninhaber bedrohen, um hohe Geldsummen zu erpressen.
