# Berlin plant Raketenproduktion und Türkei-Deals für Europas Sicherheit Datum: 11.05.2026 02:19 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/berlin-plant-raketenproduktion-und-tuerkei-deals-fuer-europas-sicherheit-711218/ --- Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, auf die Stationierung weit reichender Tomahawk-Marschflugkörper in Deutschland zu verzichten, prüft die Bundesregierung gemeinsam mit Nato-Partnern neue Optionen zur Sicherung Europas. Nach Informationen der "Welt" reichen die Überlegungen von einem deutsch-amerikanischen Rüstungs-Joint-Venture über mögliche Raketenimporte aus der Türkei bis hin zu einer langfristigen Neuordnung der US-Truppenpräsenz in Europa. ## Planungen für Tomahawk-Produktion in Deutschland Nach einem Bericht der „Welt“ in ihrer Montagausgabe, der sich auf mehrere informierte Diplomaten von EU und Nato beruft, wird derzeit ein neuer Plan geprüft, wonach in einem Joint Venture zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen möglicherweise schon ab 2028 Tomahawk-Raketen in Deutschland produziert werden könnten. Vorbild sei das bereits existierende Joint Venture zwischen dem deutschen Unternehmen MBDA aus dem bayerischen Schrobenhausen und dem US-Rüstungsunternehmen RTX, das künftig für die Nato dringend benötigte PAC-2-GEM-T-Flugkörper für das Patriot-System produzieren soll. Parallel dazu wird in der Bundesregierung nach Angaben der „Welt“ auch geprüft, zum Schutz der europäischen Nato-Staaten die türkische Interkontinentalrakete Yildirimhan mit einer Reichweite von bis zu 6.000 Kilometern und die Hyperschall-Langstreckenrakete Tayfun-Block-4 zu erwerben. Die noch in der Entwicklung befindliche Yildirimhan-Rakete könnte demnach frühestens ab dem Jahr 2028 ausgeliefert werden, kurze Zeit später dann auch die Tayfun-Block-4-Rakete, berichtet die „Welt“ weiter unter Berufung auf informierte Kreise. Die Finanzierung der erwogenen Waffenkäufe in der Türkei wird laut „Welt“ wegen des zu erwartenden Widerstands aus Zypern und Griechenland – beide Staaten haben ein äußerst gespanntes Verhältnis zur Türkei – voraussichtlich nicht aus dem EU-Rüstungsprogramm SAFE erfolgen, das bis zu 150 Milliarden Euro an zinsgünstigen Darlehen für Verteidigungsinvestitionen enthält. In Nato-Kreisen werden der Zeitung zufolge zwei Optionen als realistischer geprüft: Entweder ein bilaterales Geschäft zwischen Deutschland und der Türkei, oder die Bundesregierung schmiedet unter der Führung Berlins eine kleinere Koalition der Willigen aus europäischen Staaten, die die künftigen Waffenkäufe aus der Türkei gemeinsam finanziert. Deutschland würde in diesem Fall die höchsten Kosten tragen. Endgültige Entscheidungen sind bisher weder mit Blick auf ein mögliches Joint Venture noch auf den Waffenkauf in der Türkei getroffen worden. Der Kauf von türkischen Raketensystemen könnte im Falle einer positiven Entscheidung bereits im Umfeld des Nato-Gipfels in Ankara im Juli bekannt gegeben werden, berichtet die „Welt“. ### Europäische Initiativen für weitreichende Waffensysteme Hintergrund der aktuellen Überlegungen ist eine Absichtserklärung, die im Sommer 2024 von Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Schweden und dem Vereinigten Königreich unterzeichnet wurde. Darin vereinbarten die Staaten, zur Abschreckung Russlands konventionelle Waffensysteme produzieren zu wollen, die eine Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern haben. Im Mai 2025 bekräftigten London und Berlin ihren Kooperationswillen bei der Entwicklung einer solchen Waffe. Experten gehen laut der Berichterstattung davon aus, dass das Vorhaben angesichts der Erfahrungen aus der Vergangenheit, beispielsweise beim Projekt FCAS, noch viele Jahre dauern dürfte und zudem zu Spannungen zwischen den Teilnehmerstaaten führen könnte. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte am Wochenende der „Welt am Sonntag“ gesagt, diese Bundesregierung arbeite jeden Tag dafür, Deutschlands Verteidigungsfähigkeit bestmöglich zu steigern. „Darüber spreche man auch weiterhin intensiv mit den Alliierten in den USA“, zitierte ihn die „Welt am Sonntag“. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte kürzlich im „heute journal“ erklärt, dass man vor eineinhalb Jahren eine Anfrage an Washington gestellt habe, Tomahawks zu kaufen. Gleichzeitig räumte der Minister ein, dass er sich angesichts der aktuellen Weltlage nicht allzu große Hoffnung mache, die Marschflugkörper erwerben zu können. ### US-Truppenverlegung von Ramstein nach Rumänien Wie die „Welt“ weiter unter Berufung auf Diplomaten berichtet, wird ein „maßgeblicher Teil“ der aus Deutschland abgezogenen Soldaten aus dem bisher größten Luftfahrtdrehkreuz der Amerikaner außerhalb der USA stammen, das sich in Ramstein (Rheinland-Pfalz) befindet. Die US-Soldaten würden demnach mittelfristig von Ramstein aus auf den Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogalniceanu (MK) in die Nähe von Constanta im Osten Rumäniens verlegt. Der Stützpunkt liegt nur knapp hundert Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Der rumänische Luftwaffenstützpunkt, wo derzeit neben rumänischen Kräften auch die US Army Garrison Black Sea stationiert ist, soll den Angaben zufolge in den kommenden Jahren zur größten Nato-Luftwaffenbasis ausgebaut werden – mit mindestens 10.000 US-Soldaten und ihren Familien. Das Drehkreuz wäre damit größer als Ramstein. Die Verlegung aus Deutschland nach Rumänien „macht angesichts der Bedrohungslage durch Russland absolut Sinn“, heißt es übereinstimmend in informierten Diplomatenkreisen, auf die sich die „Welt“ beruft. Ein zweiter Teil der aus Deutschland abgezogenen Soldaten soll laut „Welt“ außerhalb Europas eingesetzt werden. Unklar ist dem Bericht zufolge noch, ob die rund 5.000 Soldaten, die aus Deutschland abgezogen werden sollen, für einen bestimmten Zeitraum zunächst in voller Stärke nach Amerika zurückgeholt werden oder ob sie direkt innerhalb und außerhalb Europas neu verteilt werden sollen. ✨ mit KI bearbeitet --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück