# Bärbel Bas: Rücktritt nach Schicksalsschlag und Kritik an Koalition Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-11-03T13:46:33+01:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-11-03T13:46:36+01:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/baerbel-bas-ruecktritt-nach-schicksalsschlag-und-kritik-an-koalition-773935/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Ex-SPD-Chefin spricht über persönliche Gründe und harte politische Umgangsformen. Nach ihrem überraschenden Rücktritt als SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin hat Bärbel Bas erstmals ausführlich über ihre Beweggründe gesprochen. In einem ARD-Interview mit Markus Feldenkirchen erklärte sie, der Tod ihrer krebskranken Stieftochter Ende September habe sie tief erschüttert. Während der Sterbebegleitung im Hospiz sei ihr klar geworden, dass ihr die Kraft für ihre politischen Ämter fehle. „Ich hatte den Kopf nicht frei für Dienstliches, für Politisches. Und ich wusste, ich brauche länger, ich kann nicht sofort wieder zurück“, sagte Bas, wie der Spiegel und die Tagesschau berichten. Die 58-Jährige betonte, sie habe sich in dieser Phase oft gefragt, wofür sie morgens aufstehe, und brauche nun Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen. ## Koalitionskrise nach Rücktritt von Bas Ihr Rücktritt löste in der Koalition eine Krise aus. Bas kritisierte, dass die Angriffe aus den Reihen der Union auch in ihrer persönlich schwierigen Zeit nicht nachgelassen hätten. SPD-Chef Lars Klingbeil hatte das Verhalten der Union als „unanständig“ bezeichnet, während die CDU die Vorwürfe zurückwies und betonte, die Kritik habe stets ihrer Arbeit gegolten, nicht ihr als Person, wie die Tagesschau berichtet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, er habe Rücksichtnahme eingefordert und könne keine Verstöße dagegen feststellen. Bas selbst räumte ein, sie hätte ihre Kritik an der Union in ihrer Rücktrittserklärung wohl nicht so formuliert, wenn sie das Ausmaß des daraus entstandenen Koalitionsstreits vorhergesehen hätte. ### Fehlende Unterstützung aus der eigenen Partei Auch aus der eigenen Partei habe sie zu wenig Unterstützung erfahren, sagte Bas. „Auch aus meiner Partei hätte ich mir manchmal mehr Rückendeckung gewünscht. Die Kritik aus den eigenen Reihen, die kam ja auch schon über die Sommerpause“, erklärte sie, wie n-tv und der Spiegel übereinstimmend berichten. Besonders hart kritisierte sie den CDU-Abgeordneten Christian von Stetten, der ihre Ablösung gefordert hatte. „Sowas sagt man nicht als Koalitionspartner über eine eigene Ministerin“, betonte Bas. Dennoch betonte sie, dass sie wahrscheinlich auch ohne die öffentliche Kritik zurückgetreten wäre, da ihr die persönlichen Gründe dafür ausgereicht hätten. ### Merz ignorierte Kritik an Angriffen auf Bas In dem Interview äußerte sich Bas zudem kritisch über die Rolle von Bundeskanzler Merz. Sie habe ihn über ihre private Lage informiert und sich über die Angriffe aus seiner Partei beschwert. Merz habe ihr zwar versichert, sich darum zu kümmern, doch dies habe „keinen Anklang gefunden“, wie alle drei Quellen übereinstimmend berichten. Über ihren Rücktritt habe sie mit Merz nie direkt gesprochen – der Kanzler sei von ihrem Co-Parteivorsitzenden Lars Klingbeil informiert worden. An die Regierungspartner appellierte sie: „Ihr müsst besser miteinander umgehen. Sonst wird das nix.“ ### Politik als unmenschliches Geschäft Bas bleibt weiterhin Abgeordnete für den Wahlkreis Duisburg I im Bundestag. Ihr Rücktritt von den Spitzenämtern markiert das vorläufige Ende einer politischen Karriere, die von persönlichen Schicksalsschlägen und den Härten des politischen Betriebs geprägt war. In dem Interview betonte sie, in der Politik herrsche oft eine „Schweigekultur“, weil niemand Schwäche zeigen wolle. „Es gibt kaum Menschlichkeit in diesem politischen Geschäft“, sagte sie. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück