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Startseite AktuellAntisemitismus in Rap und Gesellschaft: Jüdischer Rapper Ben Salomo klärt in Osnabrücker Schulen auf
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Antisemitismus in Rap und Gesellschaft: Jüdischer Rapper Ben Salomo klärt in Osnabrücker Schulen auf

von Julian Dayan 14. Juni 2023
von Julian Dayan 14. Juni 2023
Ziehen von Schule zu Schule um aufzuklären: Rapper Ben Salomo und Christoph Giesa von der Friedrich-Naumann-Stiftung / Foto: Dayan
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Ob 16 oder 26 Jahre alt: Die Aula der Berufsschule an der Brinkstraße war gefüllt mit gespannten Gesichtern. Am Dienstag (13. Juni) besuchte der deutsche Rapper Ben Salomo die Schülerinnen und Schüler der BBS. Als jahrelanger Teil der Rapszene geht er mittlerweile hart mit ihr ins Gericht. Er selbst ist gläubiger Jude und klärt in Schulen über Antisemitismus auf. 

Rap und Hip Hop sind aktuell die beliebtesten Musikgenres unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dass vor allem in Deutschrap antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet werden, ist spätestens seit der Echo-Verleihung an Farid Bang und Kollegah 2018 öffentliches Thema. Im gleichen Jahr fasste der deutsch-jüdische Rapper Ben Salomo den Entschluss, sich von der Szene zu distanzieren. Für alle Battlerap-Fans war sein Format „Rap am Mittwoch“ lange die erste Anlaufstation auf Youtube. Salomo gründete das Format, moderierte es, rappte aber auch. Hauptsächlich brachte die immer bekannter werdende Deutschrap-Plattform Stars wie Capital Bra hervor.

Nachdem er sich vermehrt antisemitischen Attacken konfrontiert sah, zog er die Reisleine und begrub 2018 sein „selbst geschaffenes Baby“. Seitdem rechnet der Rapper und Moderator vermehrt mit Drohungen. In seinem Vortrag an der BBS Brinkstraße beklagt Salomo nicht nur Antisemitismus, sondern auch rechte Gewalt, Islamismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit und Rassismus im Allgemeinen. „Macht euch wegen solcher Sachen das Leben bitte nicht gegenseitig zur Hölle!“, appelliert er an die Schülerinnen und Schüler. Dennoch möchte er aufklären, damit zukünftige Generationen möglichst wenig diskriminierende Erfahrungen machen müssen.

Ben Salomo, der Rapper

Neben dem sozialen Umfeld, wie zum Beispiel dem Elternhaus, hätte auch Gangsta-Rap einen Einfluss auf das zukünftige Bild von Kindern und Jugendlichen. Menschenverachtende Zeilen prägen sich dabei besonders ein. Eine Studie der Uni Bielefeld belegt: Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit sind kommen häufiger bei jugendlichen Gangsta-Rap-Hörern vor. Laut Salomo zeige sich vor allem der Frauenfeindlichkeitsaspekt auch im US-Rap. Trotz Kritik bleibe die Liebe zur Rapmusik. Besonders möge Salomo den US-Rapper NF. Lachend erklärt er: „Es gibt keinen, der so gut über seine Depressionen rappen kann.“ Teilweise höre er auch noch Deutschrap, insgesamt aber mehr US- und israelischen Rap.

Salomo möchte sich gegen die Verbreitung von diskriminierenden Mythen im Musikbusiness wehren. In einem Youtube-Video (in der Videobeschreibung) weist er auf antisemitische Narrative einiger Rapper hin. Außerdem zeigt er die Nähe zwischen Rechten und Islamisten auf, beide würden sich in ihrer antidemokratischen Vorgehensweise ähneln. Salomo zeigt ein Bild, auf dem sich Deutschrap, Islamismus und Rechtsextremismus im übertragenen Sinne die Hand geben: Der Musikmanager Hadi El-Dor hat ein Tattoo von Hassan Nasrallah, Anführer der Terrororganisation „Hisbollah“, auf dem Handrücken. Dabei rechts im Bild: Thomas D. vom Neonazi-Netzwerk „Blood and Honour“. Den beteiligten Musikern wirft Salomo Ignoranz und Wegschauen vor.

Ben Salomo, der Mensch

Ben Salomos Großeltern überlebten den Holocaust. Daher findet er es umso erschreckender, dass er als Nachfahre starke Diskriminierung erfährt. Er erzählt von seinem damaligen besten Freund, der im Kindesalter von Salomos jüdischem Glauben erfuhr. Die Reaktion darauf: Er hätte ihm am nächsten Tag mit zwei weiteren Jugendlichen aufgelauert, um ihn anzugreifen. Die antisemitischen Erfahrungen aus Kindheit und Jugend gingen folglich Erfahrungen aus dem Deutschrap voraus. Er verarbeitete sie schon früh in Gedichten und Raptexten.

Gerüchte, Mythen und Hass

Um über Verschwörungsmythen aufzuklären, wählte Salomo eine interaktive Methode. Zunächst fragt er in die Runde, wer bereits antisemitische Handlungen in seinem Umfeld mitbekommen hätte: Etwa zehn Prozent melden sich. Anschließend nannte er verschiedene Gerüchte. Jede Person, der ein Gerücht bekannt war, stand auf. Als jede Person im Raum mindestens einmal aufgestanden war, merkten alle: Antisemtische Verschwörungsmythen sind verbreiteter als gedacht. Das rief bei den Schülern ein großes Schweigen hervor. Salomo resümierte die Veranstaltung mit einem Adorno-Zitat: „Antisemitismus ist das Gerücht über Juden“.

 

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Julian Dayan

Julian Dayan ist seit dem Mai 2023 im Team der Hasepost und unterstützt die Redaktion als Praktikant.

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