Doppelspitze bleibt – Proteste und Machtansprüche prägen Parteitag in Erfurt
Die AfD setzt weiterhin auf ihre Doppelspitze: Alice Weidel und Tino Chrupalla sind auf dem Bundesparteitag in Erfurt für zwei weitere Jahre als Parteivorsitzende bestätigt worden. Weidel erhielt 81,3 Prozent der Stimmen, Chrupalla 70,05 Prozent, wie der Spiegel und der MDR übereinstimmend berichten. Für Chrupalla bedeutet dies einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Parteitag 2024, als er noch 82,7 Prozent erreichte. Weidel konnte ihr Ergebnis leicht steigern. Gegenkandidaten gab es diesmal nicht, die Delegierten hatten sich zuvor mit großer Mehrheit für die Beibehaltung der Doppelspitze entschieden. Die Satzung der AfD erlaubt auch eine Einzelspitze, doch diese Option wurde nicht verfolgt.
AfD beansprucht Führungsrolle in Deutschland
In ihren Reden unterstrichen beide den Führungsanspruch der Partei. Weidel griff Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf an und betonte, die AfD sei bereit, Verantwortung zu übernehmen, da Deutschland „gut regiert werden“ verdiene. Chrupalla erklärte, die AfD wolle regieren – zunächst in einem Bundesland, dann im Bund. Er bezeichnete die Doppelspitze mit Weidel als „Erfolgsduo, wie es die deutsche Politik selten gesehen hat“.
Massendemos begleiten AfD-Parteitag
Der Parteitag wurde von massiven Protesten begleitet. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich bis zu 31.000 Menschen an den Demonstrationen, während das Bündnis „Widersetzen“ von mindestens 50.000 sprach, wie der Tagesspiegel und die Welt berichten. Die Proteste verliefen weitgehend friedlich, es kam jedoch vereinzelt zu körperlichen Auseinandersetzungen und Flaschenwürfen. Die Polizei war mit Tausenden Beamten im Einsatz, darunter auch Kräfte aus anderen Bundesländern und der Bundespolizei.
AfD formiert Führung mit Höcke-Vertrautem
In der zweiten Reihe des Parteivorstands gab es personelle Veränderungen. Stefan Möller, Vertrauter des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke, wurde mit 76,54 Prozent zum stellvertretenden Bundessprecher gewählt. Zudem wurden Katrin Ebner-Steiner und Sven Tritschler zu weiteren Vizevorsitzenden gewählt. Tritschler setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen Kay Gottschalk durch.
Star-Wars-Musik stört AfD-Parteitag
Während des Parteitags sorgte eine ungewöhnliche Aktion für Irritationen: In der Messehalle ertönte plötzlich der „Imperiale Marsch“ aus der Star-Wars-Saga, wie die Welt und der Tagesspiegel berichten. Techniker fanden schließlich versteckte Lautsprecher, die von Unbekannten angesteuert worden waren. Die Bundespolizei nahm im Zusammenhang mit den Protesten vier Personen fest, bei denen pyrotechnische Gegenstände und Schlagstöcke sichergestellt wurden.
