# 87-Jährige darf nach Zwangsräumung zurück in Madrider Wohnung Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-29T09:16:49+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-29T09:16:49+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/87-jaehrige-darf-nach-zwangsraeumung-zurueck-in-madrider-wohnung-761134/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Nach Protesten: Einigung im Fall der Seniorin – Regierung plant Wohnungsmarkt-Reformen Nach der umstrittenen Zwangsräumung einer 87-jährigen Rentnerin in Madrid zeichnet sich eine Lösung ab. Wie die Anwältin Beatriz Duro am Montag mitteilte, wurde eine Einigung erzielt, die es Maricarmen Abascal ermöglichen soll, in ihre Wohnung zurückzukehren. Die Vereinbarung müsse jedoch noch unterzeichnet werden, wie der Spiegel berichtet. Die Seniorin war vergangenen Mittwoch auf einer Trage aus ihrer Wohnung im Madrider Stadtteil Retiro getragen worden, in der sie rund 70 Jahre lang gelebt hatte. Laut dem Mieterverband hatte ein Investor die Miete um 275 Prozent auf 2650 Euro erhöht, wie der Spiegel weiter schreibt. Die neuen Eigentümer hatten vor Gericht Recht erhalten, nachdem das Gebäude an ein Immobilienunternehmen verkauft worden war und der alte Mietvertrag nicht mehr gültig sein sollte. Nach mehreren gescheiterten Räumungsversuchen wurde Abascal schließlich trotz des Widerstandes von Unterstützern aus der Wohnung geholt und in ein Krankenhaus gebracht. ## Massendemonstrationen gegen Wohnungsnot in Spanien Der Fall löste landesweite Proteste aus. In Madrid hielten Demonstrierende bis zum Bekanntwerden der Einigung an ihrem Protestcamp auf der Puerta del Sol fest. Bereits am Samstag waren Zehntausende Menschen gegen hohe Mieten und Wohnraummangel auf die Straße gegangen, wie die tagesschau berichtet. Hunderte errichteten anschließend Zelte auf dem zentralen Platz. In Barcelona demonstrierten am Montag während eines Besuchs von Ministerpräsident Pedro Sánchez rund 2000 Menschen und forderten entschlossenes Handeln gegen steigende Mieten und Wohnungsnot. ### Regierung plant Mietendeckel mit begrenzter Wirkung Die Regierung von Sánchez arbeitet unterdessen an einem Maßnahmenpaket zum Wohnungsmarkt, das am Dienstag beschlossen werden soll. Die tagesschau berichtet, dass die Regierung ein Dekret gegen steigende Mieten und Wohnungsnot plane. Die zentralen Forderungen der Mieterinnengewerkschaft umfassen unter anderem ein Verbot von Zwangsräumungen, wenn keine alternative Wohnung angeboten werden kann, sowie die automatische Verlängerung befristeter Mietverträge. Die Tageszeitung El País habe jedoch berichtet, dass die Regierungsvorlage Zwangsräumungen nur für die nächsten zwei Jahre begrenze und Mietverträge bis 2028 verlängern wolle, was deutlich unter den Forderungen der Aktivisten bleibe. ### Spaniens Wohnungsmarkt bleibt politisch blockiert Ob die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden können, ist jedoch offen, da der Regierung die Mehrheit im Parlament fehlt. Ein ähnlicher Gesetzesvorschlag war zuvor bereits gescheitert. Steigende Wohnkosten gelten seit Längerem als eines der drängendsten Probleme Spaniens. Nach Daten des Immobilienportals Idealista haben sich die durchschnittlichen Mieten innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt. Die spanische Zentralbank schätzt, dass landesweit mehr als 700.000 Wohnungen fehlen. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück