# 48.000 Dollar auf Pötter-Sieg: Auf Polymarket wird auf die Osnabrücker OB-Wahl gewettet Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-04T12:02:13+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-04T12:03:04+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/48-000-dollar-auf-poetter-sieg-auf-polymarket-wird-auf-die-osnabruecker-ob-wahl-gewettet-751489/ Kategorie: Osnabrück --- Wer wird am 13. September oder in einer Stichwahl zwei Wochen später Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister von Osnabrück? Diese Frage beschäftigt inzwischen offenbar nicht mehr nur die Osnabrücker. Auf der internationalen Prognose- und Wettplattform Polymarket wird seit Ende Juli mit echtem Geld auf den Ausgang der OB-Wahl gesetzt. Klare Favoritin ist dort Amtsinhaberin Katharina Pötter (CDU). Auf den Wahlsieg der Amtsinhaberin entfällt inzwischen ein Handelsvolumen von knapp 48.000 US-Dollar. Für Nutzer aus Deutschland gibt es allerdings einen entscheidenden Haken: Sie dürfen dort gar nicht wetten. ## Wetten liegen bei 71 Prozent für Katharina Pötter Am Freitagvormittag, gut eine Woche vor der Kommunalwahl am 13. September, bewerteten die Teilnehmer des Marktes einen Wahlsieg von Katharina Pötter mit rund 71 Prozent Wahrscheinlichkeit. Auf den SPD-Herausforderer Robert Alferink entfielen Stand Freitagvormittag lediglich rund 14 Prozent. ### AfD-Kandidat nur knapp hinter Volker Bajus von den Grünen Mit deutlichem Abstand folgt Grünen-Kandidat Volker Bajus mit knapp fünf Prozent, dicht gefolgt von AfD-Mann Thorsten Wassermann mit vier Prozent. Die rote Laterne teilt sich Thomas Groß von der Linken (ein Prozent) mit dem FDP-Kandidaten Oliver Hasskamp, den mit „<1%“ zumindest an diesem Freitag nahezu niemand auf dem Zettel hat. Insgesamt wurden auf dem Osnabrücker Wahlmarkt bislang Geschäfte im Umfang von rund 63.000 Dollar abgeschlossen. Allein auf Pötter entfallen davon derzeit gut 47.000 Dollar. Das bedeutet allerdings nicht, dass tatsächlich ein einzelner Spieler 47.000 Dollar auf die Oberbürgermeisterin gesetzt hat. Polymarket weist das Handelsvolumen aus – Anteile können also gekauft und wieder verkauft werden. Ebenso sind die angezeigten 71 Prozent ausdrücklich keine Prognose dafür, dass Pötter 71 Prozent der Stimmen erhalten wird. Der Wert beschreibt lediglich, wie der Markt aktuell die Wahrscheinlichkeit einschätzt, dass sie am Ende der Wahl – gegebenenfalls nach einer Stichwahl am 27. September – erneut Oberbürgermeisterin wird. ### Pötter legte in den vergangenen Tagen deutlich zu Interessant ist deshalb vor allem der Verlauf. Noch vor rund einer Woche wurde Pötters Chance auf den Wahlsieg bei etwa 66 Prozent gehandelt, während Robert Alferink zeitweise auf rund 28 Prozent kam. Seitdem bewegte sich der Markt deutlich zugunsten der Amtsinhaberin. Zwischenzeitlich erreichte Pötter sogar rund 75 Prozent. Am Freitag lag sie wieder bei etwa 71 Prozent. Alferink fiel zeitweise von 28 auf Werte zwischen zwölf und 20 Prozent zurück. Allerdings sollte man die Zahlen nicht mit einer repräsentativen Meinungsumfrage verwechseln. Das gesamte Handelsvolumen ist für einen internationalen Prognosemarkt ausgesprochen klein. Bereits einzelne größere Marktteilnehmer können deshalb die angezeigten Wahrscheinlichkeiten stärker verändern, als das bei den milliardenschweren Märkten zur US-Präsidentschaftswahl der Fall ist. ### Was ist Polymarket eigentlich? Polymarket ist ein sogenannter „Prediction Market“, also ein Prognosemarkt. Nutzer handeln dort mit finanziellen Anteilen auf das Eintreten bestimmter Ereignisse – von Wahlen über Entscheidungen von Notenbanken bis hin zu Sport, Wirtschaft, Technik oder internationalen Konflikten. Vereinfacht gesagt kostet ein Anteil auf ein Ereignis beispielsweise 71 Cent, wenn der Markt dessen Eintrittswahrscheinlichkeit mit ungefähr 71 Prozent bewertet. Tritt das Ereignis ein, wird der entsprechende Anteil mit einem Dollar abgerechnet, andernfalls verfällt er. Die Idee dahinter: Wo Teilnehmer eigenes Geld riskieren, sollen Informationen, Erwartungen und Einschätzungen schneller in eine gemeinsame Prognose einfließen als beispielsweise bei klassischen Expertenbefragungen. Besonders bekannt wurde Polymarket während der US-Präsidentschaftswahl 2024. Während zahlreiche Umfragen Donald Trump und Kamala Harris bis zuletzt sehr dicht beieinander sahen, lag Trump auf Polymarket vor der Wahl klar vorne. Am Ende gewann Trump tatsächlich die Präsidentschaftswahl. Auf den entsprechenden Markt wurden insgesamt mehrere Milliarden Dollar umgesetzt. Auch beim Rückzug von Joe Biden aus dem Präsidentschaftswahlkampf lag der Markt bemerkenswert früh richtig. Noch als Biden öffentlich erklärte, im Rennen bleiben zu wollen, bewerteten Polymarket-Teilnehmer einen späteren Rückzug bereits mit rund 66 Prozent Wahrscheinlichkeit. Wenige Wochen später zog Biden tatsächlich seine Kandidatur zurück. ### Der Papst zeigte, wie spektakulär Polymarket danebenliegen kann Doch auch die vermeintliche „Schwarmintelligenz mit Geldeinsatz“ kann spektakulär scheitern. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel lieferte die Papstwahl im Mai 2025. Auf den Prognosemärkten gehörte der spätere Papst Leo XIV., der damalige Kardinal Robert Francis Prevost, praktisch nicht zum Favoritenkreis. Seine Wahrscheinlichkeit bewegte sich vor der Entscheidung lediglich im Bereich von etwa ein bis zwei Prozent. Gewählt wurde trotzdem Prevost. ## Wettmarkt zur Osnabrücker OB-Wahl auf Polymarket - Die OB-Wahl in Osnabrück findet am 13. September 2026 statt, eine mögliche Stichwahl am 27. September 2026. - Auf Polymarket wird Katharina Pötter (CDU) mit 71 % Wahrscheinlichkeit als Favoritin für den OB-Sieg gehandelt. - Das Handelsvolumen auf dem Osnabrücker Wahlmarkt beträgt rund 63.000 US-Dollar, davon entfallen ca. 47.000 Dollar auf Pötter. - Nutzer aus Deutschland dürfen auf Polymarket nicht wetten, da die Plattform für Deutschland gesperrt ist. - Die Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel kann in Deutschland nach § 285 StGB strafbar sein. Noch unmittelbar nach dem weißen Rauch aus der Sixtinischen Kapelle – als der neue Papst bereits gewählt, sein Name aber noch nicht öffentlich bekannt war – schoss stattdessen die Wahrscheinlichkeit für den italienischen Kardinal Pietro Parolin auf einigen Prognosemärkten auf rund 70 Prozent. Kurz darauf trat Leo XIV. auf den Balkon des Petersdoms. Das Beispiel zeigt zugleich, wie die Prozentwerte zu verstehen sind: Eine Wahrscheinlichkeit von zwei Prozent bedeutet nicht, dass etwas unmöglich ist. Seltene Ereignisse treten eben manchmal tatsächlich ein. ### Osnabrücker dürfen nur wählen, nicht wetten Für Leser aus Osnabrück ist der Markt ohnehin ausschließlich eine interessante Momentaufnahme. Polymarket selbst sperrt Nutzer, die sich aus Deutschland beteiligen wollen. Deutschland steht ausdrücklich auf der Liste der vollständig für den Handel gesperrten Länder; auch die Umgehung solcher geografischen Sperren etwa mit einem VPN untersagt die Plattform. Das hat einen handfesten rechtlichen Hintergrund. Öffentliche Glücksspiele dürfen in Deutschland grundsätzlich nur mit behördlicher Erlaubnis veranstaltet oder vermittelt werden. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt dafür eine amtliche Whitelist der zugelassenen Anbieter. Polymarket gehört nicht zu den dort zugelassenen Glücksspielanbietern. Die GGL weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass nicht nur das Veranstalten und Bewerben unerlaubten Glücksspiels strafrechtliche Folgen haben kann. Auch die Beteiligung an unerlaubtem Glücksspiel kann nach § 285 Strafgesetzbuch strafbar sein. HASEPOST verzichtet deshalb bewusst auf eine Verlinkung des Angebots und versteht die hier genannten Kurse ausschließlich als Gegenstand journalistischer Berichterstattung über die bevorstehende Osnabrücker Oberbürgermeisterwahl. Ob die internationale Schwarmintelligenz bei Katharina Pötter am Ende ähnlich richtig liegt wie bei Donald Trump – oder so daneben wie bei Papst Leo XIV. – entscheidet sich nicht auf einem Prognosemarkt. Sondern an den Osnabrücker Wahlurnen. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück